Mobilitätskonzept zur Entlastung von Hall und Mils
Region Hall
Mittwoch, den 03. Dezember 2014 um 15:49 Uhr
fotomontage_mobilita_667eb42ad8Die so genannte Spange Ost bringt eine Neuordnung des Verkehrs in und rund um Hall und Zusatzangebote für Bahn und Radfahrer. Am 3. Dezember stellte das Land Tirol das nicht unumstrittene Projekt im Kurhaus Hall vor. Die Kernaussage: Die neuen Strassenführungen entlasten den Unteren Stadtplatz in Hall um gut 10.000 Autos täglich und bringen für Hall und Mils deutlich mehr Lebensqualität.

Etwa 19.200 Fahrzeuge passieren täglich den Unteren Stadtplatz in Hall. Die Staus und Verkehrsbelastungen rund um die Innbrücke, den Unteren Stadtplatz und die weiterführenden Straßen sind seit Jahren Thema für die Stadt Hall. Mit dem "Mobilitätskonzept Hall- Mils" schlägt das Land Tirol nun eine Lösung für die Problematik vor, "die eine NeuOrdung des Verkehrs in der Region bewirkt"wie Straßenbaureferent LHStv. Josef Geisler bei der öffentlichen Präsentation der "Spange Ost" am 3. Dezember im Kurhaus Hall erklärte. "Es geht um mehr als um zwei Straßen. Das Konzept sieht den Ausbau des Straßennetzes und die Entlastung der bestehenden Routen vor, die Anbindungen an die Schiene und Radwege. Gleichzeitig  geht es um Verkehrssicherheit, Anrainerschutz - vor allem vor dem Lärm - und die Entlastung der Umwelt", so Geisler.

 

Deutliche Entlastungen errechnet

 

Bereits seit 2009 untersucht das Land Tirol Möglichkeiten, den Verkehr von Mils direkt auf die Autobahn zu verlagern. Rund 9000 Autos aus Mils tragen nämlich auch zum hohen Verkehrsaufkommen in Hall bei. "In einer erweiterten strategischen Analyse wurden in den letzten Jahren insgesamt neun Varianten durchgedacht", berichtet Christian Molzer, Vorstand der Landesabteilung Straße und Verkehr. Klar sei bald gewesen, dass ein Anschluss in Volders oder kurz dahinter zu wenig Entlastung bringen würde. Das jetzt im Dezember 2014 präsentierte Mobilitätskonzept bringe eine Reduktion der Fahrzeuge von derzeit 19.500 auf etwa 12.400 und werde das Verkehrsaufkommen auf der Innbrücke von 21.500 auf gut 10.000 Fahrzeuge drosseln, erklärt Molzer.mobil_141118_Visualisierung_vertikal_

 

Neue Straßenführungen

 

Herzstück des Mobilitätskonzepts sind zwei neue Straßen: Die B 171 Tiroler Straße wird zwischen dem  Autohaus Bacher auf Haller Gemeindegebiet im Westen und dem Autohaus Fiat Oberhofer auf Milser Gemeindegebiet im Osten verlegt und künftig südlich der Eisenbahn geführt. Mehrere Zufahrten bringen den Verkehr auf einen Kreisverkehr, der die Bahnlinie überbrückt. Dann führt die Straße über eine neue Innbrücke beim Weißenbach über den Fluss auf die Südseite. Dort entsteht der Autobahn eine neue Straße, die von der Autobahnabfahrt Hall Mitte 1,4 Kilometer parallel zur Autobahn verläuft. Über eine neue Rampe ist auch die Zu- und Abfahrt auf die Inntaltautobahn in Richtung Unterland möglich. Richtung Innsbruck führend wird die derzeitige Ab- und Zufahrt Badl aufgelassen. Die neue Straße mündet einige Hundert Meter weiter östlich in die derzeitige Landesstraße Richtung Tulfes. Mit der Neuregelung wird der bisherige Vorrang der Straße geändert: die Tulfer Straße wird abgewertet, die neue B 171 wird vorrangige Straße. Für einen rascheren Verkehrsfluss für die einfahrenden Fahrzeuge aus Tulfes wird eine Kreisverkehr überlegt.

Mils und sein Gewerbegebiet werden mit dem neuen Konzept direkt von der Autobahn aus erreichbar sein. Um die Lärmbelastung für die Anrainer in Mils zu minimieren, sieht das Konzept rund 5,5 Kilometer Lärmschutzwände vor. Die Grobkosten für alle Maßnahmen beziffert das Land derzeit auf 35 bis 40 Millionen Euro, Baubeginn soll in drei bis vier Jahren sein, die Bauzeit wird auf ebenfalls drei Jahre geschätzt.

 

Bahn und Rad forcieren

 

In diese Kosten sind sowohl ein Wettbewerb für die neue Brücke als auch eine mögliche S-Bahn-Haltestelle in Mils. Das Mobilitätskonzept sieht nämlich auch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel bis Mils  vor. Der Milser Bürgermeister Peter Hanser hofft, dass die bessere Anbindung seiner Gemeinde an die Bahn schon in den nächsten Monaten erfolgt. "Es geht uns um Mobilität. Wir wissen dass 80 Prozent des Milser Verkehrs Richtung Westen gerichtet ist. Daher wollen wir den öffentlichtlichen Nahverkehr forcieren. Besonders wichtig ist für uns die Bahn. Aber auch die Verlängerung der 4er-Linie bis Mils und der Ausbau des Radwegenetzes sind wesentliche Punkte für Mils."

Die Maßnahmen rund um den öffentlichen Verkehr können teilweise schon früher umgesetzt werden, meint Christian Molzer vom Land. So könnten die neuen Radwege schon früher installiert werden, auch die S-Bahn-Haltestelle Thaur/Hall sei bereits für 2016 geplant.

 

Mehr Lebensqualität für Hall

 

Für Halls Bürgermeisterin Eva Maria Posch war der Tag der Konzeptpräsentation "ein Freudentag". "Das Mobilitätskonzept bringe eine wesentliche Entlastung für die Stadt Hall. "Es ist wichtig, dass das Verkehrsnetz um den Unteren Stadtplatz wieder aufnahmefähig wieder und wieder fließend funktioniert, besonders auch für den Brockenweg. Das Konzept hebt wesentlich die Lebensqualität in Hall an, vor allem die Untere Lend profitiiert wesentlich davon." Das Naherholungsgebiet Guggerinsel werde von dem Projekt in keiner Weise negativ berührt, im Gegenteil: die Untere Lend soll zu einem echtem Naherholungsgebiet mit vielfältigen Sportangebot ausgebaut werden. Geplant sind ein Beachvolleyball-Platz, eine Kletterwand und Boccia- und Tischtennisplätze.

 

Mils will Verkehr bremsen

 

Auch der Milser Bürgermeister Peter Hanser steht dem Projekt sehr positiv gegenüber, wird Mils doch besser an das höherrangige Verkehrsnetz - sprich  Autobahn - angebunden. Das wirkt sich für die Autofahrer, aber auch für den GEwerbepark Mils positiv aus. Durch die Umleitung der B171 werde viel Verkehr auch in Mils gleich vom Dorf weggeleitet. Rund 700 Meter der Dorfstraße werden dadurch nicht nur verkehrsberuhigt, der Teil werde auch zur Landesstraße, freut sich Hanser über die Verkehrsreduktion. Verständnis zeigt er für die sieben bis acht Anrainer, die durchi die neue Verkehrsführung mehr Verkehr vor der Haustür haben. "Wir sind bereits dabei Schallschutzmaßnahmen zu planen. Außerdem sind wir im Endspurt bei der Umsetzung der 40 km/h-Regelung,".

 

Kritische Stimmen aus verschiedenen Lagern

 

Schon im Vorfeld der Präsentation des neuen Verkehrskonzeptes gab es auch kritische Stimmen. Besonders die Gemeinden Tulfes und Ampass fürchten sich vor der Zunahme des Verkehrs südseitig des Inns. Besonders betroffen ist die Siedlung am Tulfer Hiandlweg, aber auch die Neuordnung des Vorrangs für die Tulfer Dorfstraße wird kritisiert. Die Gemeinde Tulfes befürchtet, dass es noch größere Staus zu den Hauptverkehrszeiten geben wird als bisher.

In der Unteren Lend haben sich ebenfalls Protestbewegungen formiert. Anrainer fürchten um die Lebensqualität auf der Guggerinsel und am Weißenbach. In Mils fühlen sich mehrere Anwohner im wahrsten Sinn überfahren. Sie fordern ein grundsätzliches Überdenken des Projektes und vor allem eine Verkehrsreduktion und -beruhigung im Dorf.

Das Interesse an der Präsentation des Landes am 3. Dezember war groß. Die Interessierten diskutierten mit den Vertretern des Landes, den Planern und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden lebhaft, natürlich deponierten auch die Gegner ihre Stimmen zu dem Projekt. Die Anregungen der Bevölkerung sollen in die weitere Konzeption der Spange Ost aufgenommen werden, kündigt Christian Molzer die weitere Vorgehensweise des Landes an. 

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Der Milser Bürgermeister Peter Hanser, LHStv. Josef Geisler, Halls Bürgermeisterin Eva Maria Posch und Christian Molzer, Vorstand Landsabteilung Straße und Verkehr

 

 

 

 
 

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