Die Umit in Hall – Treffpunkt von Wissenschaft und Wirtschaft
Hall in Tirol
Donnerstag, den 16. März 2006 um 14:55 Uhr
Eine hochkarätige Podiumsdiskussion über den Life Science Standort Tirol fand Mittwochs abends in der Aula der Umit in Hall statt. Geschäftsführer Harald Gohm von der Zukunftsstiftung Tirol konnte als Veranstalter eine illustre Runde aus Wirtschaft und Wissenschaft begrüßen. Neben Kurt Konopitzky von Boehringer Ingelheim Austria, Univ.-Prof. Georg Wick von der Medizinischen Universität Innsbruck setzten sich noch Pascal Broschek von der Gebro Pharma Fieberbrunn, der Präsident der Tiroler Industriellenvereinigung Oswald Mayr sowie Heinrich Scherfler von Sandoz Kundl mit der Thematik Life Science Tirol auseinander.

Ausgangspunkt der Podiumsdiskussion war eine Standortanalyse des Life Science Standortes Tirol, die vom CAST - Center for Academic Spin-offs Tyrol - durchgeführt wurde. Diese Standortanalyse bestätigt positive Entwicklungen im Lande und zeigt zukünftige Handlungsfelder auf. Im Rahmen der Podiumsdiskussion versuchten nun die Diskutanten zukünftige Entwicklungen des Life Science Standortes Tirol zu erörtern. Nach einer kurzen Begrüßung durch Harald Gohm und Hausherr Roland Staudinger erfolgte die Vorstellung der Diskussionsteilnehmer durch den Moderator Stefan Gehrer vom ORF.

Vernetzung fehlt
In seinem Eingangsstatement beklagte Prof. Wick von der Medizinuniversität die fehlende Vernetzung von Industrie und Akademie in Tirol. "Wir haben hier die weltweit besten Physiker in Tirol", betonte Wick, "aber es fehle einfach an der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik". Dies sei aber eine Bringschuld aller Beteiligten. So hätte man etwa ein Reihe von Experten im Haus, die vieles zur Vogelgrippe zu sagen hätten, aber man sei bis dato noch nicht von der öffentlichen Hand kontaktiert worden. Gleichzeitig vermisse er aber auch ein entsprechendes Interesse seitens der Industrie, um die vorhanden wissenschaftlichen Ressourcen zu nutzen.

Standort zu klein
Dies wollte Oswald Mayr von der Industriellenvereinigung so nicht gelten lassen. "Es ist sehr wohl Geld für die Forschung vorhanden" widersprach Mayr. Dieses müsse aber erst einmal verdient werden, was in einer kleinstrukturierten Industrie wie in Tirol aber nicht so einfach sei. Man bemühe sich intensivst, das Ziel, 3 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung zu stecken, zu erreichen, könne dies aber nicht ohne große Anstrengungen erreichen. Vor allem deshalb, da im KMU-Bereich die Eintrittsbarrieren sehr hoch seien.

Dem stimmte auch Pascal Broschek von der Gebro Pharma Fieberbrunn zu. "Die Forschung ist einfach sehr kapitalintensiv", so Broschek. Ein noch virulenteres Problem sei aber die Tatsache, dass viele gute Forscher ins Ausland abwandern, da dort die Rahmenbedingungen einfach besser seien. So sei es nicht selten, dass ein Wissenschaftler gleichzeitig auch die Aufgaben einer Sekretärin oder Brandschutzbeauftragten erfüllen müsse. Hier sei dringend eine Verbesserung nötig.

Aufbruchstimmung erkennbar
Kurt Konopitzky von Boehringer Ingelheim Austria, direkt aus Wien angereist, vermag jedoch seit 1998 durchaus eine Aufbruchstimmung zu erkennen. "In dieser Zeit ist es zu rund 300 Firmengründungen im Bereich Biochemie in Österreich gekommen", betonte Konopitzky. Vor allem erfreulich sei dabei, dass man nur drei Unternehmen dabei verloren habe. Man benötige aber sicherlich langfristigere Rahmenbedingungen, um besser bestehen zu können.

Insbesondere wenn man bedenke, dass die letzte großen Investition in Europa auf diesem Gebiet etwa in Irland einen Umfang von mehreren Milliarden Euro gehabt habe. Außerdem sei Österreich im internationalen Geschäft ein Niemand. "Deshalb wünsche ich mir, dass wir alle gemeinsam nach außen hin auftreten", fordert Konopitzky. Die Entwicklungen in diesem Zukunftssektor würden nämlich mit und ohne Österreich stattfinden. "Ob Gentechnik oder Biotechnologie, diesen Zug wird Österreich sicherlich nicht aufhalten können".

Verlust der Industrieproduktion substituieren
Heinrich Scherfler von Sandoz Kundl sah vor allem die Notwendigkeit, sich im High-Tech-Bereich zu positionieren. "Die Industrieproduktion wird zunehmend von Europa nach Asien verlagert", sieht hier Scherfler einen eindeutigen Trend. Hier könne man nur auf der High-Tech-Schiene gegensteuern. Sandoz in Kundl würden etwa 480 Forscher beschäftigen und jährlich an die 100 Millionen Euro in F&E investieren. Dabei gäbe es einige Kooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen in Tirol.

Public Relation fehlt
"Sandoz oder Gebro sind in Tirol nur Einzelfälle", zeichnet Prof. Wick ein eher düsteres Bild. Es fehle zusätzlich an der Darstellung in der Öffentlichkeit. "Wir sind mehr als gut", so Wick, "dies wird aber nicht nach außen transportiert, außer es handelt sich um negative Berichte". Dazu kämen noch persönliche Animositäten, die vieles verhinderten. "Es war in Innsbruck nicht möglich, ein Biomedizinisches Zentrum zu gründen", beklagte Wick, und zwar aus den vorgenannten Gründen.

Patentzulassungen zu teuer
Sowohl Broschek als auch Mayr konstatierten eine leicht investitionsfeindliche Stimmung in Österreich. Dies zeige sich etwa bei der Zulassung von Medikamenten. "Wenn die Ärzte nur mehr angehalten werden Generika zu verschreiben", so die beiden Unternehmer, "dann würde sich dies auch auf die Forschung auswirken. Wenn nämlich die Gewinne fehlten, dann könne man auch nicht mehr in F&E investieren. Überdies seien die Zulassungsgebühren für patente zu hoch und die Unterstützung durch die Behörden zu gering.

Positives Resume
Insgesamt gesehen konnten sich die Diskutanten doch darauf einigen, dass trotz eines nicht einfachen Umfeldes die Entwicklung in Tirol in die richtige Richtung geht. Es bedürfe zwar großer Anstrengungen aller Beteiligten, aber der Wille dazu sei da. Man müsse nun einfach verstärkt gemeinsam auftreten und die vorhandenen Ressourcen nutzen, dann werde sich Tirol auch auf diesem Gebiet besser positionieren und in einem zukunftsträchtigen Bereich reüssieren können.

 
 

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