Psychiatriegeschichte ist Kulturgeschichte
Hall in Tirol
Freitag, den 01. Juli 2011 um 07:51 Uhr

HPTeamDie Ausstellung "Ich lasse micht nicht länger für einen Narren halten" , bis September im Landeskrankenhaus Hall zu sehen, zeichnet die Geschichte der Psychiatrie in Tirol, Südtirol und Trentino von 1830 bis 1970. Das Interreg-Projekt stellt die Patienten und ihre Blickweise in den Mittelpunkt und soll die Öffentlichkeit sensibilisieren.

Drohungen wie "Du kommst nach Hall/Pergine" waren und sind Tiel des sprachlichen Standardrepertoires dies- und jenseits des Brenners. Trotz dieser alltagsweltlichen Verankerung der beiden Orte und ihrer psychiatrischen Anstalten sind jedoch die Kenntnisse von Geschichte und Aktualität der Psychiatrie und ihrer Patienten vergleichsweise gering. Das Interreg IV-Projekt Italien-Österreich „Psychiatrische Landschaften. Die Psychiatrie und ihre
Patientinnen und Patienten im historischen Raum Tirol-Südtirol von 1830 bis zur Gegenwart“ will die 140 Jahre aufarbeiten und vermitteln. Das Landeskrankenhaus Hall zeigt die Ausstellung bis September im Haus 1 der Psychiatrie Kuratorin Dr. Maria Heidegger betont: "Zum einen sind im Rahmen der Vorbereitung die historischen und aktuellen Systeme erforscht, vor allem auch mit in langjähriger Projektpartnerschaft mit Hall. Das gewonnene Wissen soll nun den Besucher vermittelt werden und wir wollen die Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema sensibilisieren."

Focus Patient

Die Ausstellung zeigt "erlebte Psychiatrie", so Heidegger und stellt die Patienten in den Mittelpunkt. Ausgehend von den Krankenakten und Fallgeschichten berichtet die Wanderausstellung von Behandlungen, psychiatrischen Ansätzen und der Herangehensweise an die Fälle und integriert persönliche Aufzeichnungen wie Briefe und Tagebücher in das Konzept. Damit beleuchtet die Ausstellung gleichzeitig auch die Geschichte Tirols, beispielsweise von den Optanten in Südtirol und den Verschickungen im 2. Weltkrieg. "Psychiatriegeschichte ist nicht nur ein kleiner Teil der Medizingeschichte, sonder auch Kulturgeschichte", verweist Maria Heidegger. "Der Umgang mit psychisch Kranken sagt viel über die Gesellschaft aus".

Mit Möbeln, die zum Hinsetzen und miterleben, will die Ausstellung die SChwellenängste der Besucher reduzieren. "Der Besucher begibt sich körperlich in die Ausstellung", erläutert Celia di Pauli, die für die Szenografie verantwortlich war. Die persönlichen Aufzeichnungen der Patienten können die Besucher in gebundenen Büchern "erlesen". "Die Bücher sollen unseren Respekt vor den Menschen bezeugen", so De Pauli. Als roter Faden ziehen sich die Biografien und persönlichen Schicksale der Patienten durch die acht Stationen der Ausstellung, die einen wesentlichen Blick auf die Psychiatrie vermittelt.

Die Ausstellung ist bis zum 1. September Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr zu besichtigen (außerhalb dieser Zeiten nach
telefonischer Voranmeldung). Der Eintritt ist frei.
 Anschließend geht die Ausstellung nach Innsbruck, Bozen, Landeck und Schwaz weiter.

HP_PsychiatrieAusstellung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung ist bis zum 1. September Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr zu besichtigen , der Eintritt ist frei.

 
 

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