Jungbürger in Brüssel als engagierte und kritische Fragensteller
Hall in Tirol
Dienstag, den 15. November 2005 um 15:57 Uhr
40 junge Haller auf dreitägiger Infotour in Sachen Europäischer Union - Nachahmer und Wiederholung in Sicht.

Ein lautes Klingeln und die Jungbürger fühlten sich an ihre Schulzeit erinnert. „In zehn Minuten muss ich bei der Abstimmung sein. Es geht unter anderem darum, wie wir die T-Shirt-Frage mit China klären“, erklärt Eva Lichtenberger, Abgeordnete zum Europäischen Parlament und als Hallerin mit Heimvorteil beim Besuch der vierzig Jungbürger in Brüssel. Als Mitglied im Verkehrsausschuss und grüne Abgeordnete stand das Thema Verkehr im Vordergrund: „Es gibt auch andere Regionen in Europa die ähnliche Probleme haben wir wir. Da gilt es Lobbing zu betreiben und Verbündete zu finden. Was für uns in Tirol gut ist, ist auch für die Schweden gut, denn der Verkehr wird auch dort mehr.“ Großes Interesse fanden die Tatsache, dass eine Hallerin es bis zur Abgeordneten in Brüssel schaffte und ihre Gründe dorthin zu wollen: „Alle regen sich über Brüssel auf. Da habe ich mir gedacht, das schaue ich mir selber an.“ Geduldig und humorvoll erklärt sie den jungen Hallern den Ablauf im Plenarsaal, in dem wenige Minuten zuvor, als die Gruppe auf ihrer Führungstour vorbeigekommen war, über die Städteentwicklung debattiert wurde. „Habt’s mich gehört?“ fragte daher auch beim nächsten Programmpunkt, dem Besuch des Tirol-Büros in Brüssel, der Abgeordnete und frühere Leiter des Tirol-Büros Richard Seeber. Im dichten Programm verpassten die Jungbürger zwar den Auftritt des VP-Politikers, die Gelegenheit zur Diskussion wurde dafür um so lieber genützt. Über die Landwirtschaft und die Verteilung der Förderungen musste Seeber sich kritischer Fragen stellen. Rhetorisch in die Ecke gedrängt, stellte er die Gegenfrage: „Was wäre anders, wenn wir nicht bei der EU wären. Wir hätten eine ähnliche oder gleiche Situation wie jetzt.“ Auch wenn er zugibt, dass die Fördersituation nur ein Kompromiß sei, doch dieser müsse gehalten werden, entgegen der Bestrebungen anderer Mitgliedsstaaten.
Wie Lichtenberger und Seeber nützte auch der SP-Abgeordnete Herbert Bösch eine Sitzungspause am Parlament für ein Treffen mit den jungen Hallern: „Das Beste was ihr machen konntet, war hier her zu kommen. Als euer Vertreter hier in Brüssel habe ich eine Bringschuld bei euch, die ich gerne erfülle.“ Bösch sprach über seine Arbeit im Haushaltsausschuss, über die Betrugsbekämpfung aber auch über die Türkei-Debatte oder die Tiroler Verkehrsproblematik.
Nach den Diskussionsrunden mit den Abgeordneten stand Sightseeing in Brüssel auf dem Programm und beim gemütlichen Kaffee und Waffeln, einer belgischen Spezialität, wurde ausgiebigst auch über die drei der insgesamt achtzehn österreichischen Vertreter im Parlament geplaudert. Eva Lichtenberger stand dabei eindeutig in der Beliebtheitsskala vor Bösch und Seeber. Kritik erntete die knapp bemessene Zeit der Politiker.

Die gänzlich neue Form einer Jungbürgerfeier, die vom Obmann des Familienausschuss, Gemeinderat Martin Lindenberger, initiiert wurde und mit Hilfe von Eva Lichtenberger auch zum Großteil von der Europäischen Union finanziert wurde, dürfte wohl kein Einzelfall bleiben. Vertreter aus Landeck und Imst seien schon an ihn herangetreten, freut sich Lindenberger: „Es ist gut, dass sich die Jungbürger in Brüssel und das ohne Kosten selbst ein Bild von der Europäischen Union machen können, die ja in Tirol von Politikern gerne als Sündenbock für alles dargestellt wird. Die Idee ist die, dass man in der Volksschule die Landeshauptstadt besucht, in der Hauptschule die Bundeshauptstadt und zur Jungbürgerfeier die Europahauptstadt.“ Mit 200,- Euro pro Person konnte die dreitägige Busreise nach Brüssel finanziert werden.

 
 

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